14.04.2010

Umfrage: Branchenverterter zu den Perspektiven von REITs in Deutschland und zu ihren Erwartungen an die Politik. Hier die Antworten von Dr. Hans Volkert Volckens, Steuerfachmann Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA).

Im Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP steht, dass Hemmnisse für REITs abgebaut werden sollen, ohne die Interessen des Verbraucherschutzes zu gefährden. Was verstehen Sie darunter?

Berücksichtigt man die historische Entwicklung des Koalitionsvertrages, kann sich die Berücksichtigung der Interessen des Verbraucherschutzes allein auf die Einbeziehung von Wohnimmobilien in das REIT-Gesetz beziehen. Die übrigen „Hemmnisse“, wie beispielweise der unglücklich normierte Sanktionskatalog bei Verstoß gegen Streubesitz– und Höchstbeteiligungsgrenzen berühren den Verbraucher und seine schützenswerten Interessen dagegen nicht. Unter „Hemmnissen“ sind aus meiner Sicht sämtliche Normen des Reit-Gesetzes zu verstehen, soweit sie sich in der Praxis als schwer oder nicht umsetzbar (Einhaltung der Streubesitz- und Höchstbeteiligungsgrenze) oder als nicht zielgerecht (beispielsweise Verbot des Private REIT) erwiesen haben.

 
Welche Punkte sollte die Bundesregierung bei der Weiterentwicklung des REIT-Gesetzes unbedingt angehen?

Neben den bereits häufig diskutierten Problemen im Hinblick auf bspw. die Einhaltung der Streubesitz- und Höchstbeteiligungsgrenze, des Ausschlusses von Wohnimmobilien sowie der notwendigen Verlängerung der Exit Tax Privilegierung sollte die Bundesregierung zunächst erst einmal grundsätzlich ihre Sprachlosigkeit im Hinblick auf die Weiterentwicklung des REIT-Gesetzes überwinden. Aktuell stehen deshalb weniger einzelne Themenstellungen des REIT-Gesetzes zur Diskussion. Vielmehr muss das politische Interesse für den REIT überhaupt wiederbelebt werden.

 
Denken Sie, dass sich durch den Regierungswechsel die Perspektiven für REITs in Deutschland verbessert haben?
Hatte man ursprünglich den Eindruck, der Regierungswechsel würde Perspektiven für den Deutschen REIT eröffnen, ist man nach wenigen Monaten ernüchtert. Es zeigt sich, dass auch diese Regierungskoalition den REIT als Stiefkind der indirekten Immobilienanlage keiner expliziten gesetzlichen Förderung unterziehen wird. Dies ist im Hinblick auf die Wichtigkeit des Vehikels im internationalen Anlagekanon bedauerlich.

Wird das REIT-Konzept aus der Finanzkrise und den daraus entstandenen Diskussionen um eine stärkere Regulierung der Kapitalmärkte eher als Gewinner oder als Verlierer hervorgehen?

Einerseits ist der REIT aufgrund seiner Eigenkapitalausstattung krisenresistenter als manch hoch fremdfinanziertes Anlagevehikel. Allerdings ist nicht zu verkennen, dass auch REIT Aktien im Rahmen der Krise an den Finanzmärkten erheblich gelitten haben. Ob das Vertrauen in die Aktienmärkte nachhaltig zurückkehrt, kann aktuell nicht abschließend beurteilt werden. Gleichwohl bietet der REIT aufgrund seiner besonderen Ausgestaltungsmerkmale eine liquide, transparente sowie fungible Anlageklasse. Alleine diese Vorteile sollten als Paten des langfristigen Erfolges ausreichen.

 
Verbessern sich durch die Probleme bei den offenen Immobilienfonds die Perspektiven für REITs?Offene Fonds und REITS sind weder rechtlich, steuerrechtlich, noch aufsichtsrechtlich oder immobilienwirtschaftlich zu vergleichen. Vor diesem Hintergrund sehe ich in der aktuellen Situation offener Immobilienfonds keine Vorteile für den REIT, da Anleger in offenen Immobilienfonds grundsätzlich nicht alternativ in Immobilienaktien investieren würden. Im Gegenteil schadet die Krise der offenen Immobilienfonds auch dem REIT, da die Anleger in ihrem Vertrauen in indirekte Immobilienanlagen ganz grundsätzlich erschüttert werden.

 

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