02.02.2010

Herr Dexne, Alstria droht 2009 zum zweiten Mal in Folge die Vorschriften des REIT-Gesetzes in Bezug auf die Mindest-Eigenkapitalquote  zu brechen. Was sind die Gründe?

Die im REIT-Gesetz als Mindestschwelle enthaltende Quote von 45  Prozent bezieht sich ja auf das Verhältnis des bilanzierten Eigenkapitals zum Immobilienvermögen. In den vergangenen Jahren mussten wir aufgrund der Marktlage Abwertungen auf unseren Immobilienbestand vornehmen. Auch bei den im Rahmen des Hedgings eingesetzten Instrumenten kam es aufgrund der Zinssenkungen zu Abwertungen. Beides zusammen führt dazu, dass unsere REIT-Eigenkapitalquote auf etwa 40 Prozent  gesunken ist. Damit stehen wir im Vergleich zu vielen anderen Immobilien-AGs in Deutschland sehr gut dar – aber verfehlen die Vorgabe des Gesetzes.

Was folgt daraus?

Das REIT-Gesetz sieht vor, dass Gesellschaften, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren gegen die Eigenkapitalvorschrift verstoßen, den Status als REIT verlieren. Leider ist im Gesetz nicht eindeutig definiert, wann genau dieser Verstoß vorliegt. Wir gehen derzeit aber davon aus, dass wir bis zum Ende des Geschäftsjahres 2010 wieder bei mindestens 45 Prozent liegen müssen.

Gelingt Ihnen das?

Wir werden alles dafür  tun, was im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt. Wir haben in den beiden vergangenen Jahren unsere Verschuldung bereits deutlich zurückgeführt und planen in diese Richtung weiterzugehen. Dazu gehört auch der Verkauf weiterer Immobilien aus dem Bestand – aber nur zu angemessenen Preisen. Damit könnten wir bis zum Jahresende auf 45 Prozent kommen. Wenn aber aufgrund des Marktumfelds zusätzliche Abwertungen auf Immobilien nötig sein sollten oder weitere Zinssenkungen zu Wertbelastungen bei den Hedging-Instrumenten führen, wird es schwierig. Diese Entwicklungen haben wir nicht in der Hand.

Was wären der Schaden, sollte Alstria den REIT-Status tatsächlich verlieren?

Man muss hier zwei Ebenen unterscheiden. Der reine finanzielle Schaden würde sich vermutlich im niedrigeren einstelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen.  Das wäre nicht schön, aber zu verkraften. Aber die Imagewirkung für alstria wäre sicherlich nicht gerade vorteilhaft.

Sie könnten die Bilanz über eine Kapitalerhöhung wieder REIT-fähig machen.
Wir tragen die Marke REIT mit Stolz und wollen sie gerne behalten - aber nicht um jeden Preis. Eine Kapitalerhöhung ausschließlich zur Bilanzreparatur kommt für uns nicht in Frage; ebenso wenig ein Verkauf von Immobilien unter Wert. Beides wäre nicht im Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre.

In den letzten Jahren ist Alstria vor allem als Verkäufer aufgetreten. Wann wollen Sie wieder wachsen?

Das Unternehmen ist grundsätzlich auf Wachstum ausgelegt. Dazu braucht es aber entsprechende Opportunitäten und die gibt es derzeit einfach nicht. Wir bei Alstria haben derzeit etwa 50 Millionen Euro Liquidität im Unternehmen, die wir grundsätzlich für Käufe nutzen könnten. Das Problem ist also nicht die Finanzierung sondern der Mangel an attraktiven Gelegenheiten.

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